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Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)

DIABETES MELLITUS,

umgangssprachlich auch "Zuckerkrankheit" genannt, ist eine chronische Stoffwechselerkrankung.

Mit der Nahrung werden Eiweiße, Fette und Kohlenhydrate aufgenommen. Zur Gewinnung von Energie erfolgt im Stoffwechsel eine Umwandlung zu Dextrose (Traubenzucker). Dieser Zucker wird über das Blut an die Zellen der Organe und Muskeln transportiert. Um aber in die Zellen zu gelangen, benötigt man eine Art "Schlüssel", der zu einem Schloss (Rezeptor) in der Zellmembran passen muss, damit diese sich öffnet: Das Hormon mit dieser Funktion heißt Insulin.

Das Insulin wird in der Bauchspeicheldrüse produziert. Dort befinden sich die "Langerhans'schen Inseln" mit den Betazellen, die Insulin immer nach aktuellem Bedarf zur Verfügung stellen.

Die Zuckerkrankheit ist dadurch charakterisiert, dass die Bauchspeicheldrüse nicht mehr im Stande ist, so viel Insulin zu produzieren, wie zur Aufrechterhaltung eines normalen Blutzuckerspiegels notwendig ist, oder durch einen Rezeptorendefekt das produzierte Insulin nicht in die Zellen gelangen kann. - Ohne Insulin geht es nicht! [...]


Man unterscheidet nach den neuen Definitionen (ätiologisch) vier Hauptgruppen dieser Stoffwechselstörung:

• Diabetes (mellitus) Typ 1

• Diabetes (mellitus) Typ 2

• andere spezifische Typen

• Gestationsdiabetes


Es soll an dieser Stelle nur auf die am häufigsten vorkommenden Diabetestypen, d.h. den Diabetes Typ 1 und den Diabetes Typ 2, eingegangen werden.


DIABETES TYP 1

Bei dieser Krankheitsform handelt es sich um den vorwiegend im Kindes- und Jugendalter auftretenden Diabetes, den sogenannten Insulinmangeldiabetes.

Ursache ist ein gegen die Insulin bildenden Zellen gerichteter Autoimmunprozess.


Bei einer ererbten Veranlagung (genetische Disposition) und ungünstigen äußeren Faktoren (Umweltfaktoren, Virusinfektionen, Impfstatus, Ernährungsgewohnheiten, klimatische Einflüsse) kommt es zu einer Entzündung der Beta-Zellen = Insulitis.

Es wird ein Autoimmunprozess ausgelöst, bei dem körpereigene Abwehrzellen, die sonst schützend wirken, sich "irrtümlich" gegen die eigenen Beta-Zellen richten. Im Verlauf von Jahren nimmt die Insulin-Produktionsfähigkeit ab, bis hin zum kompletten Insulinmangel.

20% der Typ 1 Diabetiker haben eine positive Familienanamnese mit Typ 1 Diabetes.

Für eine Autoimmun-Insulitis spricht der Nachweis von Inselzell-Antikörpern, Insulin-Antikörpern, Antikörpern gegen Membranproteine der Beta-Zelle.

Behandlung:

• Insulintherapie

• Intensive Schulung

• Ernährungsanpassung

• Bewegung


Heilung?

Nach derzeitigem wissenschaftlichen Stand ist eine lebenslange Insulingabe notwendig.


Inselzell-Transplantationen oder Genmanipulationen werden auch in den nächsten Jahren nicht zur Standardtherapie gehören, so sehr man sich dies auch wünschen mag.

Diabetiker vom Typ 1 machen nur etwa 10% aller Betroffenen aus. Viel häufiger tritt Diabetes bei älteren Menschen jenseits des 50. Lebensjahres auf.


DIABETES TYP 2

Für einen Diabetes Typ 2 gibt es verschiedene Ursachen. Es ist möglich, dass die Bauchspeicheldrüse bei Bedarf (kohlenhydrathaltige Mahlzeiten) nicht schnell genug oder nicht ausreichend Insulin produziert (sekretorischer Defekt). Oder das Insulin kann, selbst wenn es da ist, aufgrund eines Rezeptorendefektes nicht wirken.

Behandlung:

• Schulung

• Der richtige Ernährungsplan

• Tabletten, die die Insulinproduktion ankurbeln

• Tabletten, die die Zuckerverwertung verlangsamen

• Bei Bedarf Insulin zur Ergänzung


Heilung?

Frühzeitiges Erkennen und richtige Schulung verbessern die Lebensqualität.



Übergewicht

Die bisherige Unterscheidung in Typ 2 Diabetiker mit und ohne Übergewicht ist zwar aufgehoben, dennoch ist nicht zu verkennen, dass die meisten Menschen mit Typ 2 Diabetes auch übergewichtig sind. Liegt ein Übergewicht vor, so muss man wissen, dass der übergewichtige Mensch zur Aufrechterhaltung des normalen Blutzuckerspiegels viel mehr Insulin benötigt als der Schlanke.

Die Bauchspeicheldrüse eines Übergewichtigen muss also ständig größere Insulinmengen produzieren als bei normalem Körpergewicht. Dazu ist bei vielen Menschen die Bauchspeicheldrüse nur für eine begrenzte Zeit fähig, dann kommt es zu einer "Ermüdung" der Beta-Zellen, bis die Kapazität erschöpft ist.

In der Regel liegen beim übergewichtigen Diabetiker auch noch Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen vor (= metabolisches Syndrom).

Behandlung:

Beseitigung der Ernährungsfehler (Hyperalimentation) und Fettsucht (Adipositas) durch kalorienreduzierte, kohlenhydratreiche ballaststoffreiche Kost

• Intensive angepasste Schulung und Information

• Ausreichende Bewegung

• Tabletten zur Verzögerung der Zuckeraufnahme aus der Nahrung

• Tabletten zur Unterstützung der Insulinproduktion

• Tabletten zur Verbesserung der Insulinwirkung

• Insulin


Heilung?

Die Gewichtabnahme ist sozusagen der "Schlüssel" zur Problemlösung.


Wie erwähnt, kann ein Diabetes durch Überernährung und sich daraus entwickelndes Übergewicht hervorgerufen werden. Durch Gewichtabnahmen wird die Unempfindlichkeit (Resistenz) gegenüber Insulin vermindert und der Blutzuckerspiegel gesenkt.

Ist die Gewichtabnahme genügend ausgeprägt und frühzeitig genug begonnen, können sogar die insulinbildenden Zellen ihre Funktion wieder voll erfüllen. In günstigen Fällen kann auf blutzuckersenkende Arzneimittel verzichtet oder ihre Menge reduziert werden.


Insulin und/oder Tabletten bei Diabetes Typ 2

Hier ist der Diabetologe gefragt, eine individuelle Lösung für den Patienten zu finden.


Wird mit oraler Medikation das Therapieziel nicht erreicht, spricht man vom sogenannten "Sekundärversagen". Zusätzliche Insulingaben in kleinen Dosen können die BZ-Werte verbessern. Bei bestehender Insulintherapie, die trotz hoher Dosierung keine zufriedenstellenden Ergebnisse erzielt, können zusätzliche Gaben oraler Antidiabetika hilfreich sein. Auch eine alleinige Therapie mit Insulin kann bei bestimmten Voraussetzungen angezeigt werden. Jedoch steht die persönliche Situation eines jeden Diabetikers im Vordergrund der Entscheidung über die Therapieform.




ERKENNEN VON ZU HOHEN ODER ZU NIEDRIGEN BLUTZUCKERWERTEN

Eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) liegt vor, wenn der Zuckergehalt unter 50 mg/del abgesunken ist.

Eine Überzuckerung (Hyperglykämie) beginnt ab Werten von 160 mg/dl aufwärts.

Auch beim Stoffwechselgesunden schwanken die Blutzuckerwerte. Nur verlassen sie dabei den Normalbereich (60 - 120 mg/dl) in der Regel nicht.


Die häufigsten Anzeichen sind

• bei Hypoglykämie
(Unterzuckerung):

Schweißausbruch, Herzklopfen, Heißhunger, Seh- und Konzentrationsstörungen, Gleichgewichtsstörungen, Verwirrtheitszustände.


• bei Hyperglykämie (Überzuckerung):

Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Appetitlosigkeit, starker Durst, häufiges Wasserlassen.



Bei Übelkeit und Erbrechen, Oberbauchschmerzen, Azetongeruch, sowie größerem (unbeabsichtigtem) Gewichtsverlust sollte sofort ein Arzt hinzugezogen werden.

Es treten jeweils nicht immer alle Anzeichen zusammen auf. Und diese Anzeichen können auch auf andere Erkrankungen hindeuten.



Diabetes mellitus kann sehr schwere Folgeerkrankungen verursachen, besonders gefährdert sind Augen, Nieren, Füße und Nerven. Eine erhebliche Minderung der Lebensqualität und Lebenserwartung ist damit verbunden.


(Quelle: Deutscher Diabetiker Bund e.V. (DDB))

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